Samstag, 18. Januar 2020

Verlegung des Welser Messegeländes: Ein Interview mit Wolfgang Kaiserseder

Wolfgang Friedrich Kaiserseder schrieb Mitte der 80er-Jahre eine Doktorarbeit über die Verlegung der Welser Messe an den Stadtrand. Zu dieser Zeit arbeitete er auch im Messeunternehmen. Er strengte auch viele Bemühungen an, seine Idee der Verlegung der Messe auf die Felder in der Nähe der Autobahn am Rande des Stadtteils Neustadt zu verwirklichen. Bekannterweise wurde daraus nichts. Auch Anfang der 90er gab es eine Diskussion, die aber schnell wieder abflachte. Seitdem ist es still um das Thema geworden.

Wir sprachen mit Wolfgang Friedrich Kaiserseder über die damaligen Abläufe und Fehlentscheidungen.

Herr Kaiserseder, für welche Tätigkeit waren Sie damals im Unternehmen Messe zuständig?
Heute würde man Marketingabteilung dazu sagen. Ich war für die Werbung zuständig, aber auch dafür, neue Messen zu erfinden. Ich habe Anfang der 80er vorgeschlagen, eine Computermesse in Wels zu etablieren. Dafür wurde ich belächelt. Wie groß das Potential dieser Branche war, das muss man ja heutzutage nicht mehr erklären. Man hat viele große Chancen vertan.

Eine der größten Chancen wäre die Verlegung der Messe an den Stadtrand gewesen.
Vollkommen richtig. Ich habe zu diesem Thema meine Doktorarbeit verfasst. Mein Vorschlag wäre gewesen, die Messe hinter die Autobahn in der Nähe von Puchberg zu verlegen. Dazu habe ich auch Gespräche mit den ÖBB geführt. Es war damals ein Bahnhof Puchberg geplant, der auch hervorragend als Messebahnhof dienlich gewesen wäre.

Es gab später ja auch Pläne, die Messe auf den Flugplatz zu verlegen.
Ja, aber das war nur ein Vorwand, den Flugplatz zu verkleinern. Man darf ja auch nicht die zahlreichen Schottervorkommen auf dieser Fläche vergessen. Das wäre für die damaligen Beteiligten ein gutes Geschäft gewesen.

Die Flächen hinter der Autobahn wären bis heute frei. Das wäre doch ein perfekter Standort gewesen. Warum wurden Ihre Vorschläge verworfen?
Da gibt es einige Gründe. Ich habe ja auch bereits mit Bund und Land Kontakt aufgenommen, ob sie sich an einer neuen Messegesellschaft beteiligen würden. Sie müssen hier die Dimension verstehen: Mitte der 80er waren weder Salzburg noch Wien ausgebaut. Wäre mein Vorschlag verwirklicht worden, wäre Wels mit Abstand der größte und de facto einzig ernstzunehmende Messestandort in Österreich gewesen. Die beiden anderen Standorte hätten dann niemals ausgebaut, weil wir zu stark gewesen wären.
Die Welser Messe wäre dann aber nicht mehr zu 100% in städtischer Hand gewesen, sondern auch Bund und Land wären beteiligt. Es sind ja auch viele Investitionen fällig.
Und dieser Umstand ist einigen Stadtvätern sauer aufgestoßen.

Warum?
Weil sie dann Einfluss verloren hätten. So hatten sie die totale Macht über das Unternehmen.

Die Alternative wäre aber, dass man an einem viel größeren Unternehmen beteiligt gewesen wäre, welches auch für den Standort Wels pures Gold wert gewesen wäre.
Ja, wenn man sich für die Interessen der Stadt interessiert hätte. Aber einigen damals Beteiligten war es wichtiger, einfach ein paar Aufträge verteilen zu können oder genügend Einfluss über die Auswahl von Mitarbeitern zu haben. Wegen niedriger Beweggründe hat man ein Jahrhundertprojekt für Wels abgewürgt. Es ist eine Schande!

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