Warum sollte die Politik der Bevölkerung vertrauen?


Selbstverantwortung. Dieses Wort läuft derzeit durch die sozialen Medien, wenn es um das Thema Impfen geht. Nur wie ernst kann die Politik den Wunsch nach dieser Selbstverantwortung nehmen?

Rückblick in den Jänner des Jahres 2020. Im Fernsehen versucht man die Bevölkerung zu beruhigen, dass das neuartige Coronavirus nicht schlimmer als eine Grippe sei. Im Gespräch mit Leuten am Welser Wochenmarkt hört man aber bereits Zweifel: "Die wollen uns nur beruhigen, das Ding ist sicher gefährlich." - Können Sie sich noch an die Zeit erinnern?

Auch die Politik wurde durch die immer näherkommenden tragischen Vorfälle im Ausland eines Besseren belehrt. Kaum war es offiziell, wandelte sich auch die Meinung an den Stammtischen um 180 Grad. Nun war das Virus doch nicht mehr so gefährlich, wie uns die da oben sagen. Die Skepsis der Bevölkerung gegen "die da oben" ist auch mehr als berechtigt und meistens sehr gesund.

Aber warum handeln die da oben eigentlich so? Ein Blick nach Tirol gibt Aufschluss: Dort hat man das Virus anfänglich wenig ernst genommen. Schnell war auch ein Schuldiger dafür gefunden: die Politik.

Als Politiker ist man immer schuld, egal was man macht. Das wissen Politiker auch und bewegen sich immer auf einem schmalen Grad bei ihren Entscheidungen.

Das, was leider vielen Menschen fehlt, ist die Fähigkeit, sich in einen Politiker hineinzudenken. Wie hätten Sie gehandelt? Hätten Sie keine Lockdowns gemacht und riskiert, dass nur ein paar Leute wegen Überfüllung von nur einigen wenigen Intensivstationen sterben und das eine Zeitung aufdeckt? Überlegen Sie mal, was die Bevölkerung gesagt hätte: "Die Politik lässt uns verrecken, nur um die Wirtschaft zu schützen. Die Menschen sind denen da oben ja vollkommen egal."
Man hätte Sie als Politiker bei Ihrem privaten Weg zum Billa als Mörder und Volksverräter beschimpft.

Also überlegen Sie nochmal. Wie hätten Sie als Politiker gehandelt? Ich kann Ihnen die Antwort geben: Sie hätten sich irgendwie mit Maßnahmen durchgewurschtelt und gehofft, dass sich die Sache bald erledigt. Und genau das tut die Politik derzeit. Die Politik hat nicht daran gedacht, gleich zu Beginn des Jahres 2020 mehr Geld ins Gesundheitssystem zu pumpen, weil von Haus aus das Geld fehlt. Das war ein Fehler. Bis heute wird es nicht gemacht. Man hat auch nicht versucht, mehr Geld in die Forschung von Medikamenten zu stecken. Warum? Weil man damit beschäftigt war, die aktuelle Situation irgendwie zu managen und damit schon überfordert war.

Nun, als man einsehen musste, dass diese Pandemie noch länger bleibt und die Impfstoffe auf den Markt kamen, hat man natürlich zugegriffen. Oder hätten Sie das nicht als Politiker? Hätten Sie als Bundeskanzler gesagt: "Nein, wir brauchen keine Impfung. Wir gehen die nächsten 5 Jahre in die Lockdowns."

Die Frage nach möglichen Nebenwirkungen ist Ihnen dabei relativ egal. Außerdem wird an der mRNA-Technologie schon seit den 90ern geforscht und die EMA ist ja auch nicht „auf der Nudelsuppe dahergeschwommen“ und wird schon wissen, wem sie die Zulassung gibt. Außerdem sagen die medizinischen Berater in ihren Kreisen, dass es ziemlich sicher ist.

Also krallen sich die Politiker an den Strohhalm und hoffen, dass die Leute mittun. Sie schauen auf die Umfragen, ob die Bevölkerung eine Impfpflicht will. Nein, will sie nicht. Also versuchen sie der Bevölkerung einen Schubs zu geben. Warum tun sie das? Weil sie wollen, dass es endlich ein Ende hat und sie nicht wieder Lockdowns verkünden wollen.

Manche reden von Selbstverantwortung. Keine Lockdowns, keine Maßnahmen, keine Impfkampagne. Sie wissen aber, dass dann die Zahlen hinaufpurzeln werden. Warum wissen Sie das? Weil sie Mitte des Jahres 2020 auch gehofft hatten, dass sich das Virus von selbst verflüchtigt - und dann ist die zweite Welle gekommen.

Und sie wissen eines: Die Meinung der Bevölkerung kann sich auch sofort wieder um 180 Grad drehen, wenn man es laufen lässt und wirklich ersichtlich viele Leute sterben oder „nur“ unter den Nachwirkungen der Krankheit leiden.

Ich verstehe jeden Impfskeptiker. Ich bin selbst einer, ich traue dem Ganzen auch nicht vollkommen.

Wenn man sich die nüchternen Zahlen ansieht, sind 90% der Corona-Intensivpatienten in Österreich Ungeimpfte. Aber was ist, wenn dieser neuartige Impfstoff in ein paar Jahren Krebs auslöst? Gute Frage. Verständliche Frage. Auch wenn das Risiko gering ist. Seien Sie ehrlich, bei jeder Impfung googeln Sie nach möglichen Impfschäden, aber nach 2 Wochen haben Sie alles wieder vergessen.

Aber was ist, wenn Sie sich im Herbst mit der extrem ansteckenden Delta-Variante anstecken und durch Long Covid die nächsten 2 Jahre arbeitsunfähig sind? Und was ist, wenn Sie wie schon in der zweiten Welle tatsächlich das Pech haben und 4 Stunden auf einen Rettungswagen warten und Sie im Krankenhaus merken, dass Sie nur auf einer normalen Station sind, obwohl Sie nicht mehr Luft bekommen und sich schon denken können, dass der leitende Arzt nicht Sie für den letzten Intensivplatz ausgewählt hat. Nicht zu vergessen die Blicke der Ärzte und des Pflegepersonals. Eine Mischung aus Mitleid und Unverständnis ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie merken, wie der Arzt versucht, sein Unverständnis zu verbergen und Ihnen trotzdem gut zuredet, währenddessen sein Piepser läutet und er schnell wieder weiter muss.

Wäre so ein Restrisiko einer Impfung nicht doch schlauer gewesen? Obwohl die Politik es verschlafen hat, mehr in die Medikamentenforschung zu investieren? Was hilft es Ihnen in dieser Situation?

Entscheiden Sie selbst. Aber geben Sie am Ende auch sich selbst zumindest eine Teilschuld dafür, dass Sie sich in diese Situation gebracht haben. Denn Sie wollten Selbstverantwortung.

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